Brücken zur Arbeit

(Chronik von 1996 - 2010)
Kurzprofil:
Zielgruppe:

Langzeitarbeitslose ALG II-Bezieher per Eingliederungsvereinbarung der ARGE Ebersberg


Arbeitsschwerpunkte:
1. Beschäftigung in gemeinnützigen zusätzlichen Arbeitsgelegenheiten (AGH) mit Mehraufwandsentschädigung

Externe AGH-Beschäftigungsstellen:

Akquise von und Vermittlung in öffentlichen, kommunalen, staatlichen und sozialen Einrichtungen des Landkreises, wie Gemeinden, Kindergärten, Altenheime, Schulen, Vereine etc.


Interne Werkstätten der Brücke Ebersberg:

  • Fahrradwerkstatt
  • Holzwerkstatt
  • Frauenwerkstatt
  • Bürowerkstatt

2. Sozialpädagogische Beratung und Betreuung

Hilfe bei der Regelung von existenziellen und psychosozialen Problemen und Notlagen


3. Vermittlung und Bewerbungshilfe

Hilfe bei Stellensuche, Bewerbung und Vermittlung in den Arbeitsmarkt


Resümee - 15 Jahre "Projekt Brücken zur Arbeit"
1994 - Entstehungsgeschichte

Die Gründung des Projektes "Brücken zur Arbeit" geht zurück auf die Tatsache der ansteigenden Arbeitslosigkeit der Betreuten aus den bestehenden Brückeprojekten der Bereiche Jugendhilfe und gesetzliche Betreuungen. Die Brücke Ebersberg e.V. initiierte im Rahmen des Projektes "Jugendrichterliche Weisungen" ein Pilotprojekt mit arbeitslosen jugendlichen und jungen Erwachsenen zur Berufsfindung. Dessen Hauptziele waren die Erprobung von Schlüsselqualifikationen in Praktika und die Erarbeitung von individuellen Zukunftsperspektiven im Bereich Arbeit durch Einzelberatung und Gruppenaktionen.


1995 - Auftrag der Sozialhilfeverwaltung Ebersbergs - Projekt "Brücken zur Arbeit"

Mit diesen Erfahrungen startete im Mai 1996 das Projekt "Brücken zur Arbeit". Im Auftrag der Sozialverwaltung Ebersberg wurde von der Brücke die Zielgruppe der schwervermittelbaren, langzeitarbeitslosen Sozialhilfeempfänger zur Beratung, Beschäftigung und Vermittlung übernommen.

Diese besonderen Hilfen gliederten sich in:

  • die Regelung von existenziellen und psychosozialen Problematiken
  • die Hilfe bei Stellensuche, Bewerbung und Vermittlung in den Arbeitsmarkt
  • die Beschäftigung in gemeinnützigen Arbeitsstellen im öffentlichen Interesse zur Überbrückung arbeitloser Zeiten.

Arbeitsweise war als niederschwellig zu bezeichnen. Wir legten Wert auf Freiwilligkeit, Gemeinsamkeit, gemeinsame Zielbestimmung und das Ansetzen bei den Fähigkeiten der Menschen und nicht bei deren Defiziten. Diese Kombination von Hilfen hat es uns ermöglicht, ein Drittel der beendeten Kontakte aus der Langzeitarbeitslosigkeit in den Arbeitsmarkt zu vermitteln.


2005 Auftrag der ARGE Ebersberg - Übergang zu Hartz IV
Von der Sozialhilfe (BSHG § 18) zum Arbeitslosengeld II (SGB II § 16):

Mit der Einführung von Hartz IV gab es mehrere Veränderungen. Zum einen gab es mehrere Zuständigkeitswechsel: Vom Landratsamt Ebersberg (BSHG § 18) zum Arbeitsamt München, dann zur ARGE Ebersberg (SGB II § 16). Die Zuweisung durch die ARGE basierte nun auf einer Eingliederungsvereinbarung, die Freiwilligkeit der Maßnahmeteilnahme wurde ausgesetzt und die Teilnehmerdauer auf 6 Monate herabgesetzt. Die Veränderungen der Teilnehmerplätze innerhalb von 5 Jahren von 33 auf 75 und dann von 35 auf 25 Plätze brachten Aufstockung und Abbau des Personals und Räumlichkeiten mit sich. Zudem wurden uns vermehrt nicht vermittlungsfähige Teilnehmer (länger als 4 Wochen dauerkrank) zur Beschäftigung und Vermittlung überwiesen. Damit begannen auch die Planungsunsicherheiten des Projektes "Brücken zur Arbeit" bis zur Kündigung zum 31.12.2010.


Die Arbeitsschwerpunkte haben sich verlagert:

  • Beschäftigung in gemeinnützigen externen und internen Arbeitsgelegenheiten
  • Hilfe bei Stellensuche, Bewerbung und Vermittlung in den Arbeitsmarkt
  • sozialpädagogische Beratung

Arbeitsschwerpunkte:

1. Beschäftigung in gemeinnützigen zusätzlichen Arbeitsgelegenheiten (AGH), die im öffentlichen Interesse liegen Die AGH-Beschäftigungsstellen, sogenannte 1-€-Jobs, teilten sich in externe und interne Arbeitsgelegenheiten auf.


Externe Beschäftigung:

Externe AGH-Stellen belegten wir in öffentlichen, kommunalen, staatlichen und sozialen Einrichtungen des Landkreises, wie Gemeinden, Kindergärten, Altenheime, Schulen, Vereinen etc. Die Arbeitszeit war begrenzt auf 25 Wochenstunden. Die Stellen sollten wohnortnah zu erreichen sein und den Fähigkeiten und Interessen der Teilnehmer entsprechen. Wir haben uns immer dagegen verwehrt, diese AGH's als Druck- oder Bestrafungsmittel für die Arbeitslosen einzusetzen. Insgesamt konnten wir mit 75 Einsatzstellen im Landkreis sehr individuell auf die Fähigkeiten der einzelnen Maßnahmeteilnehmer eingehen.


An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle Gemeinden und Einrichtungen, die eine AGH-Stelle für unsere Teilnehmer einrichten konnten - und vorallem an alle Anleiter für die gute, wertschätzende Anleitung unserer Teilnehmer und der guten Kooperationsarbeit mit uns.


Interne AGH-Werkstätten der Brücke Ebersberg e.V.:

Die internen Werkstätten dienten in den meisten Fällen zur Abklärung von Soft Skills, zur Tagesstrukturierung, zum Aufbau von Belastungsfähigkeit und zum Wiedererlangen von Selbstwert und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten in der praktischen Arbeit. Intern beschäftigt wurden hauptsächlich Teilnehmer/-innen mit stärkerer Leistungsminderung und amtlich bestätigter eingeschränkter Arbeitsfähigkeit. Die Wochenarbeitsstunden sind auf 15 Stunden begrenzt.


Fahrradreparaturwerkstatt: (1998 - 2003)

Fahrradreparaturen für Sozialhilfeempfänger, Instandsetzung gespendeter Altfahrräder und Abgabe an bedürftige Landkreisbürger


Holzwerkstatt: (1998 - 2010) Maßnahmeplätze: 5 - 8 , Anleitung: Schreinermeister

Erlernen von Grundfertigkeiten in der Holzbearbeitung und in allgemeinen handwerklichen Verrichtungen. Gefertigt wurden Möbel für soziale und gemeindliche Einrichtungen wie zum Beispiel Schulranzenregal, Außensitzgruppe, Bänke für Umkleideraum, Bilderrahmen, Einführung in die Maskenschnitzerei.


Frauenwerkstatt: (2004 - 2010) Maßnahmeplätze: 8 - 10 , Anleitung: Schreinerin

Fertigung von klein- und kunsthandwerklichen Gegenständen aus verschiedenen Materialien, Holzartikel wie Topfuntersetzer, Tierkreiszeichen, Holzspielzeug, Weihnachtskrippen und Figuren; Schmuckpapier für Einbände und Grußkarten; Mosaikarbeiten wie Schalen, Blumentöpfe und andere Dekorationsgegenstände.


Bürowerkstatt: (2007 - 2010) Maßnahmeplätze: 5 - 10 , Anleitung: Sozialpädagogin

Erlernen und Vertiefen von PC-Kenntnissen, Recherche von Stellenangeboten und Wohnungsangeboten im Internet, Erstellen eines "Sozialwegweiser Landkreis Ebersberg", Erstellen eines "Afghanischen Kochbuches", Überarbeiten und Erstellen von Bewerbungsunterlagen für Hilfesuchende.


Betreute Gruppenarbeitsmaßnahmen:
Schwerpunkt "Arbeit erleben 2001 - 2005"

Diese Gruppenmaßnahmen waren externe Kurzzeitprojekte von mehreren Wochen im jeweiligen Jahr und wurden in Kooperation mit den unterschiedlichsten Kooperationspartnern durchgeführt.


  • (1998) Erstellen eines Infoleitfadens für arbeitslose Sozialhilfeempfänger
  • (2001) Erstellen eines Ziergartens für die Pflegestation des Marienheimes Glonn
  • (2002) Renovierung von Innenräumen der Obdachlosenunterkunft der Gemeinde Vaterstetten gemeinsam mit den dort wohnenden Arbeitslosen
  • (2002) Anlegen der Station "Barfußpfad" innerhalb des Natur-Erlebnis-Pfades des Waldmuseums Ebersberg in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule München
  • (2003) Vorbereitungsarbeiten zur historischen Dauerausstellung des Waldmuseums Ebersberg
  • (2004) Moorwiesenrenaturierung mit der unteren Naturschutzbehörde
  • (2005) Gartenprojekt Sonnenacker

Nach der Herabsetzung der Verbleibdauer der Teilnehmer auf 6 Monate, mussten wir unsere Gruppenmaßnahmen mit den Kurzzeitprojektarbeiten zum Schwerpunkt "Arbeit erleben" aufgeben, da die Zeitspanne für eine gemeinsame Organisation und Durchführung zu kurz ist.


2. Beratungssschwerpunkte nach Bedarf

Die Schwerpunkte beim Beratungsangebot unserer Sozialpädagogen ergaben sich wie folgt:

  • Regelung von existenziellen und psychosozialen Problematiken
  • Ämter- und Behördenhilfe, Antragstellungen
  • Abwendung von Stromsperrung und Kontenpfändung
  • Vorbereitung zur Schuldnerberatung
  • Unterstützung bei der Suche nach Kinderbetreuung
  • Zuführung zur ärztlichen Behandlung
  • Vermittlung zu benötigten Fachdiensten
  • Klärung von privaten und persönlichen Konflikten

An dieser Stelle ein herzliches Danke an alle mit uns kooperierenden Fachstellen im Landkreis Ebersberg für die gute Zusammenarbeit.


3. Bewerbungshilfe und Vermittlung
  • Erstellen von Fähigkeits- und Interessenprofil
  • Überprüfen des Arbeitsmarktangebotes und Reflexion der eigenen Fähigkeiten und Ansprüche
  • Er- und Überarbeiten von Bewerbungsunterlagen
  • Einführung in die Internet-Stellensuche
  • Bewerbungstelefonate
  • Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche
  • Stellenakquise über das interne Büroprojekt

Fazit:

Die Arbeit im Projekt umfasste die Arbeit mit mehrfach belasteten Menschen, die Probleme bei der Alltagsbewältigung hatten, mit psychisch erkrankten Menschen mit niedrigem Belastungslevel, mit chronisch kranken Menschen mit gesundheitsbedingten Arbeitsausfällen, mit suchtkranken Menschen und den sich daraus ergebenden Folgeerscheinungen, mit Menschen mit niederem Bildungsstand und Menschen, deren Erwerbsminderung bei uns erst festgestellt wurde.


Arbeitswilligkeit und Freude an einer regelmäßigen Beschäftigung konnten wir bei 90% der arbeitslosen Betreuten feststellen. Problem ist, dass sie jedoch leider nicht überall einsetzbar sind, da sie die geforderten Leistungen trotz allen Mühens nicht erbringen können. Zum einen wird die erforderliche Schnelligkeit, die heute für die Arbeitsverrichtungen an einer Stelle notwendig wäre, nicht in gewünschtem Maß erreicht (z.B. Reinigungsarbeiten), zum anderen fehlt es an der körperlichen oder psychischen Stabilität, um den Druck auszuhalten, oder es mangelt an der sozialen Intelligenz, sich zu behaupten, oder das soziale Gefälle passt nicht in den Betrieb.


Trotz allem haben wir gute Vermittlungszahlen erreicht, da wir mit den Teilnehmern daran gearbeitet haben, sich auf Stellen zu bewerben, die sie tatsächlich ausfüllen können. Arbeitsplätze konnten wir für ein Drittel der Klienten finden, deren Verbleibdauer im Projekt länger als 6 Monate war. Dies führen wir auf die Vertrauensbasis in unserer Beziehungsarbeit zurück, da sich Vertrauen nicht von heute auf morgen einstellt. In einer längeren Betreuungszeit können auch nachhaltigere Lösungen für existenzielle Probleme und Alltagsprobleme entwickelt und neue Handlungsmöglichkeiten erprobt werden. Das führt zu einer selbständigeren Lebensweise, mehr Selbstwert und zu weniger Belastungen im privaten, persönlichen Bereich. Und eine gewisse Belastbarkeit wird heute von jedem Arbeitgeber verlangt.


Auch nach 15 Jahren Erfahrung bin ich nach wie vor von dem Grundkonzept überzeugt, dass es für viele arbeitlose Menschen hilfreich ist, einer geförderten Beschäftigung nachzugehen, die ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten entspricht. Dies stützt sich vor allem auf die vielen positiven Rückmeldungen von ehemaligen Maßnahmeteilnehmern und den Kooperationspartnern der externen Einrichtungen.


Solange die Profitorientierung in unserem wirtschaftlichen und sozialen System vorderste Maxime bleibt, wird es auch jetzt im Aufschwung immer arbeitssuchende Menschen geben, die den Bedingungen der heutigen Arbeitswelt nicht in gefordertem Maße gewachsen sind.


Mitarbeiter des Projektes "Brücken zur Arbeit" von 1996 - 2011

Geschäftsführung: Ernst Weinzierl (1996 - 2010)

Pädagogisches Fachpersonal:
Sozialpädagogen:

Veronika Lachner (1996 - 2010)

Michael Wüstendörfer (1996 - 2003)

Margit Schwarz (2003)

Maria Augmann-Pfeiffer (2006 - 2008)


Verwaltungsfachwirt (Arbeits- und Berufsberatung):

Willi Mirus (2003 - 2008)


Studentische Mitarbeiter:
In den Gruppenprojekten:

Margit Schwarz

Oliver Listel


In der Holzwerkstatt:

Andreas Kettel


Werkstattmitarbeiter:
Holzwerkstatt:

Kaspar Angermeier (Schreinermeister)

Andreas Kettel (Schreiner, Student der Fachhochschule München)


Frauenwerkstatt:

Melanie Buch (Schreinerei)

Lotti Gampenrieder


Bürowerkstatt:

Katja Liesemann


Verwaltungs- und EDV-Bereich:

Elke Mieter (Stellenakquise)

Herr Röhrich (Dateneingabe, Bibliothek)

Christian Monz (EDV)

Katja Liesemann (EDV- und Projektverwaltung)


Reinigungsbereich:

Carmen Langheinrich

Petra Lehnert

Eva Deistler